Boulefreunde Niedernberg e.V. - News: Mainecho: Pétanque als Jugendsport
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Mainecho: Pétanque als Jugendsport
PresseMöglichst nah ran ans Schweinchen

Boule: Aaron Sommer und Nicholas Mari lieben das Spiel mit den Kugeln - Konzentration und Geschick sind gefragt

Boule-Spieler haben so was Ruhiges an sich, genau wie die Sportart an sich auch: Man muss viel stehen, die körperlichen Anstrengungen halten sich in Grenzen - und man muss oft warten, bis der oder die anderen Spieler fertig geworfen haben. Dafür sind beim Boule-Spielen umso mehr Konzentration und Geschick gefragt.

Das beherrschen die Jugendlichen Aaron Sommer (17) aus Niedernberg und Nicholas Mari (18) aus Erlenbach ziemlich gut. Gerade sind sie aus Augsburg zurück, wo sie sich zusammen mit Nicholas Vater Joel für die deutsche Meisterschaft im Boule in knapp zwei Wochen in Edingen-Neckarhausen qualifiziert haben. Diesem Erfolg ging verstärktes Training voraus. Unter anderem auf dem Boule-Platz an der alten Kläranlage in Niedernberg.

Bevor so ein Trainingsspiel losgeht, zieht Aaron mit dem Fuß den sogenannten Abwurfkreis, aus dem er entweder stehend oder auch aus der Hocke heraus die zwischen 650 und 800 Gramm schwere Stahlkugel werfen muss. Aber zuerst wirft er die Zielkugel, das Cochonnet, auch Schweinchen genannt.

Ein Kies-Sand-Gemisch

Ziel beim Boule ist es dann, die Kugel so nah wie möglich an das Schweinchen heranzuwerfen. Die Spieler bewegen sich meist in einem drei mal zwölf Meter großen Spielfeld (Mindestanforderung), dessen Boden meist ein Kies-Sand-Gemisch ist, damit die Kugel gut haften kann.

Die deutschen Boule-Spieler spielen übrigens meist auf solch präparierten Flächen, während in Frankreich, Italien oder England auch auf einem normalen Rasenplatz oder Straßenplatz neben einem Café oder einer Kneipe gespielt wird - damit man den Sieg gleich mit einem Bierchen feiern kann.

Aaron fängt an und wirft die erste Kugel, die schon verdammt nah am Schweinchen landet. Jetzt kommt Nicholas an die Reihe. Er wirft sogar noch näher an das Schweinchen und drückt auch noch eine Kugel seines Mitspielers weg.

Jung und Alt zusammen

Beim Training spielen neben den zwei Jungs noch Marc Heim (46) und Fritz Gerdsmeier (46), beide aus Aschaffenburg, mit. Gewonnen hat das Team, das zuerst 13 Punkte erzielt. Punkte erhält man mit jeder Aufnahme, wobei mindestens einer, maximal sechs zu vergeben sind. Die beiden Jungen haben an diesem Trainingsabend oft gewonnen. »Die können's halt echt gut«, sagt Boule-Mitspieler Heim (46) aus Aschaffenburg mit einem leichten Lächeln. Trotz der oftmals 20 Jahre Altersunterschied bei den Mitspielern gehen die Älteren mit den Teenagern respektvoll und fair um. Dennoch ist schon ungewöhnlich, dass sich Teenager für diese Sportart interessieren. Nicholas erklärt es so: »Mein Vater ist Franzose, ich bin quasi mit Boule aufgewachsen.« Durch die Schulbekanntschaft zu Aaron ließ sich auch der Niedernberger mit anstecken.

Und so spielen die zwei schon seit vielen Jahren miteinander und feierten auch einige Erfolge: Erst im vergangenen Jahr gingen sie als bayerische Jugendmeister in Kochl am See hervor, und 2008 wurden sie hessische Doublette-Meister. Aber nicht nur der Nervenkitzel reizt die beiden: »Wir treffen auch jede Menge tolle Leute, lernen viel und haben gute Gespräche.«

Die beiden sympathischen jungen Männer wollen sich noch weiter nach oben boulen, jetzt trainieren sie fleißig für die deutsche Meisterschaft. »Und wenn es schnell gehen muss, auch schon mal bei Oma im Garten«, erklärt Nicholas Mari augenzwinkernd.

Anja Keilbach



Hintergrund: Geschichte und Regeln

Im engeren Sinne stammt die Bezeichnung Boule von französisch »La boule«, »die Kugel«, »Der Ball«, ab. Bereits 460 vor Christus ist eine Art Spiel mit Steinkugeln nachweisbar. Mit Boule verbinden viele Deutsche aber das vorwiegend von älteren Franzosen auf französischen Plätzen ausgetragene Freizeit-Kugel-Spiel. Der korrekte Name hierfür ist allerdings Pétanque.

Eigentlich ist Boule ein einfaches Spiel, kompliziert ist die Taktik. Die einen legen eine Kugel nahe ans Ziel, das Schweinchen, die anderen müssen entweder dichter ran oder die gegnerische Kugel wegschießen - aus dieser simplen Konstellation ergeben sich die vielfältigsten Möglichkeiten. Für jede Kugel, die näher am Schweinchen liegt als die beste Kugel der Gegner, gibt es einen Punkt. Ein Spiel ist in der Regel beendet, wenn ein Team 13 Punkte erreicht hat.

Die Spielfelder sind meist drei mal zwölf Meter, bei Wettbewerben vier mal 15 Meter. Entweder spielen drei zu drei Personen á zwei Kugeln oder zwei zu zwei Personen á drei Kugeln. Die hohlen Boules bestehen aus elektrisch verschweißten Stahl-Halbkugeln, die zwecks Besitzererkennung auch Riffelungen haben können. Der Durchmesser beträgt 72 bis 78 Millimeter, das Gewicht 650 bis 800 Gramm. (anke)

Quelle: Main-Echo 09.06.2010
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