Boulefreunde Niedernberg e.V.
Boulefreunde Niedernberg e.V.

...........

Ganz einfach: für jede Kugel, die näher an der Zielkugel (Schweinchen) liegt als die nächste der gegnerischen Mannschaft, gibt es einen Punkt.

Jedes Team spielt mit 6 Kugeln (außer beim Tête à tête, bei dem jeder Spieler nur 3 Kugeln hat), beim Doublette zwei Spieler mit je drei, beim Triplette drei Spieler mit je zwei Kugeln. Punkte werden gezählt, wenn alle Kugeln gespielt sind.

Nach Adam Riese kann eine Mannschaft maximal 6 Punkte erzielen, eben wenn alle ihre Kugeln näher am Schweinchen sind als die nächste des gegnerischen Teams (was allerdings höchst selten vorkommt). Also wie geht es weiter?

Nun, dann wird der nächste Durchgang gespielt; wir nennen das Aufnahme (leicht zu merken: man muss alle Kugeln "aufnehmen", also aufheben).

Die Mannschaft, die in der vorigen Aufnahme gepunktet hat, darf anfangen und zieht einen Kreis (Ø 35 - 50 cm) an der Stelle, wo in der vorigen Aufnahme das Schweinchen lag; ein Spieler des Teams wirft dann dasselbe in eine Entfernung zwischen 6 und 10 Metern auf das Spielgelände.Bevor jetzt die nächste Aufnahme gespielt wird, mal kurz was zum Kugelschmeißen allgemein:


Die Aufgabe ist ja, die Kugel möglichst nah an das Schweinchen, die Zielkugel zu legen (aus dem Kreis heraus natürlich). Deshalb nennt man den Spieler, der jetzt an der Reihe ist, den Leger. Ist doch klar, oder? Im Französischen Pointeur genannt, und das heißt ungefähr "Punkter", was man auf zweierlei Weise auslegen kann: entweder ist damit derjenige gemeint, der einen Punkt legt, oder aber der Spieler, der seine Kugel punktgenau plazieren kann (dies bedeutet nicht automatisch dicht ans Schweinchen, denn nicht immer ist es angeraten, seine Kugel möglichst nahe an die Zielkugel zu legen, aber das gehört schon zu den Finessen des Pétanque und kann hier nicht näher erläutert werden).

So, die Aufnahme beginnt: Der Leger von Team A (nennen wir es mal so) hat es geschaftt, ein Biberon (frz. "Fläschchen") zu legen, das heißt seine Kugel liegt direkt am Schweinchen. seine Mannschaft hat also im Moment den Punkt, was bedeutet, die anderen sind jetzt dran und müssen ihrerseits versuchen, zu punkten.

Was tun? Noch näher kann man nicht an die Zielkugel heran. Das ist eine schöne Aufgabe für den Schießer im Team (frz. "tireur"). Dieser stellt sich in den Kreis, holt aus und wirft seine Kugel dann so, dass diese im hohen Bogen auf die Kugel des Gegners zufliegt, diese trifft und aus dem Spiel wegschießt. Der Applaus ist dem Schießer sicher, besonders wenn er ein "palét" schießt, das heißt seine Schusskugel bleibt im Spiel liegen, oder ihm gar (davon träumen alle Boulisten) ein "carreau sur place" gelingt: wo eben noch die gegnerische Kugel lag, liegt jetzt nach dem Schuss seine eigene, er hat "getauscht". Dies ist sozusagen das Glanzstück, vielleicht vergleichbar mit einem As im Tennis (nur nicht so häufig) oder einem hole-in-one beim Golf.

Schießen (und treffen) kann man auf vielerlei Weise: au fer, also aus der Luft direkt "aufs Eisen", man kann "schrabben", also kurz vorher aufsetzen; man kann die Schußkugel ähnlich wie beim "slice" im Tennis andrehen, so dass sie nach dem Treffer nicht so weit wegfliegt usw.

Allerdings kann man auch ein Loch schießen, und das heißt im Gegensatz zum (Ein)lochen beim Golf nichts Gutes, es bedeutet einfach: daneben.

Zurück zum Spielverlauf: Der Schießer von Team B hat also sagen wir mal ein Loch geschossen (kommt schon mal vor, öfter sogar). Entweder er versucht es noch einmal, oder aber der Leger geht in den Kreis und versucht z.B., mit seiner Kugel die gegnerische (die ja dummerweise immer noch genau am Schweinchen liegt) ganz leicht wegzuschieben, um dann vielleicht näher am Schweinchen zu liegen, so daß Team A seinerseits wieder dran wäre. Das ist natürlich auch für einen Könner nicht gerade einfach, in aller Regel wird die Aufnahme dann so enden, dass Team B versucht, so gut zu verteidigen, daß ihr Gegner in dieser Aufnahme nicht mehr als nur diesen einen Punkt macht.

Im Verlauf einer solchen Aufnahme kann sich allerdings noch vieles ergeben, möglicherweise gelingt dem Schießer (der in so einer Situation normalerweise nach einem Fehlversuch noch einmal schießt) dann beim zweiten Schuss ein palét, und Mannschaft A ist wieder an der Reihe (eben weil die Schusskugel jetzt näher am Schweinchen liegt als ihre Kugel) usw...

Irgendwann sind dann alle 12 Kugeln gespielt, dann werden die Punkte gezählt und wenn noch keine Mannschaft bei 13 ist, geht das Spiel mit der nächsten Aufnahme weiter.

So weit so gut, aber: was ist eigentlich ein Triplette?

Tête à tête ist ja klar, da muss der Einzelspieler mit seinen drei Kugeln halt alles machen: legen, schießen, das Schweinchen nach hinten zur eigenen Kugel schieben (ja, das ist erlaubt), die gegnerische Kugel wegdrücken, eine "boule dévant" legen (die eigene Kugel direkt vor die gegnerische, so dass bei einem Schuss des Gegners dessen Kugel auch in Gefahr ist, weggeschossen zu werden) und was es da sonst noch für taktische Rafinessen gibt.

Jetzt denken wir uns mal diesen guten Tête à tête-Spieler als Mitspieler im Triplette (zur Erinnerung: drei Spieler mit je zwei Kugeln): na klar, der gehört in die Mitte, er spielt als "milieu" zwischen Leger und Schießer. seine Aufgabe ist nicht so klar umrissen, er muss eben je nach Situation legen oder schießen oder "zaubern".

Wer jetzt allerdings denkt, damit wären alle Variationen ausgereizt, hat weit gefehlt: ein sehr gutes Triplette zeichnet sich zum Beispiel dadurch aus. dass der Leger, nachdem er stundenlang nichts anderes gemacht hat als legen, auf einmal, weil es halt sein muss, ein "carreau" schießt (ja, darf er). Die Aufgabenverteilung im Team ist keinerlei Vorschrift unterworfen, auch wenn das Grundschema Pointeur - Milieu - Tireur schon sehr geläufig ist.

Der Reiz des Spiels liegt in unter anderem eben darin, dass es in jeder Spielsituation mehrere Möglichkeiten gibt, zu reagieren; sowohl strategische Überlegungen (was kann ich am besten, wo liegen die Schwächen des Gegners, wie baue ich mein Spiel auf...), wie taktische Entscheidungen in Kombination mit den technischen und spielerischen Möglichkeiten jedes Teams, ergeben eine derartig vielfältige Variationsbreite, die ein zufälliger Betrachter ("na ja, die werfen da ihre Kugeln rum, ich glaub' man muss die kleine Kugel treffen oder so") kaum erahnen kann.

 

 Geschrieben von Yo_SF am 01. September 2009 
Druckversion Druckversion | Sitemap
© Boulefreunde Niedernberg e.V.