Boulefreunde Niedernberg e.V.
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Monsieur Blanc

Monsieur Blanc, die (un)bekannte Boulegröße Jeder ist ihm schon mal auf einem Turnier begegnet. Er gilt als der weltweit bekannteste Boulespieler und fehlt auf keinem Turnier. So wurde er fast jedem von uns schon einmal im Poule zugelost.

Er stammt vermutlich aus einer großen, weit verzweigten Bouledynastie, denn zu großen Wettbewerben bringt er schon mal seine Brüder und Vettern mit. Es ist schon verwunderlich, das ein so erfahrener Boulespieler, eine so große Koryphäe meines Wissens noch nie ein Finale oder wenigstens ein Halbfinale erreicht hat.

Fast bei jedem Turnier taucht er auf, scheidet aber auch regelmäßig im Laufe der Vorrundenspiele aus. Kein Wunder also, das er in keiner Rangliste auftaucht. Wer sich so viel Zeit nimmt, an allen Turnieren teilzunehmen, muss entweder Millionär, arbeitslos, Vollprofi oder Frührentner sein.

Dieser Vermutung widersprechen aber seine Turnierergebnisse, denn der genannte Personenkreis spielt im Allgemeinen um Klassen besser. Da bleibt nur die Annahme, das es sich um einen fanatischen, aber wenig qualifizierten oder nervenschwachen Bouleidealisten handelt, der sich durch nichts von seinem liebsten Hobby abbringen lässt.

Trotz seines frühen Ausscheidens handelt es sich nicht um einen Spieler, der technisch oder taktisch auf niedrigem Niveau spielt, sonst würde er so manche Fanny kassieren. Ganz im Gegenteil, selbst gegen Topspieler erreicht er achtbare Resultate. Das typische Ergebnis für ihn ist eine 7:13-Niederlage. Darum wird er auch nicht allzu sehr gefürchtet und gilt als angenehmer Gegner. Man könnte ihm allenfalls vorwerfen, dass die Partien gegen ihn recht kurz und langweilig sind.

Er ist ruhig und bescheiden. Er verzögert kein Spiel, macht keine Mätzchen, um den Gegner zu verunsichern, und meldet das Ergebnis sofort korrekt bei der Turnierleitung. Er beschwert sich auch nie über schlecht bespielbare Terrains, über das ungünstige Los oder über den Spielmodus wie so viele andere Spieler, die früh ausscheiden und den Grund dafür immer an der falschen Stelle suchen. Er ist zweifellos ein sympathischer Zeitgenosse. Ich kenne niemanden, der ihn nicht mag. Auch die Turnierveranstalter finden ihn so nett, dass er überall, ohne Startgeld zu entrichten, teilnehmen darf. Man könnte fast meinen, sie seien auf ihn angewiesen und ohne ihn wäre kein Turnier durchzuführen.

 

Wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn erfinden. Gern hätte ich ihn zum Pastis eingeladen, um mit ihm über unsere gemeinsame Vorliebe zu philosophieren. Bisher ist mir dieses Gespräch leider nicht vergönnt gewesen, denn sobald das Spielergebnis feststeht, ist er verschwunden und unauffindbar.

Ich bin ihm noch nie an der Bar begegnet, wo viele vor einem Spiel eine Stärkung und nach einer Niederlage Trost suchen. Ich glaube, gerade darin liegt sein Problem: Einen, der weder Bier noch Wein und schon gar keinen Pastis trinkt, kann ich mir beim besten Willen nicht als Topspieler vorstellen. Deshalb bin ich auch fest davon überzeugt, das mein Freund, Monsieur Blanc, niemals ein Turnier gewinnen kann, so lange er seinen Lebenswandel in dieser Beziehung nicht grundsätzlich ändert.

(Verfasser unbekannt)

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